Christa Winsloe

Das Mädchen Manuela

 16,90

Der Roman zum Film »Mädchen in Uniform« – die wohl berühmteste lesbische Liebesgeschichte!
Der Film Mädchen in Uniform ist weltberühmt – hierzulande vor allem die Fassung von 1958 mit Romy Schneider, Lilli Palmer und Therese Giehse. Mit Das Mädchen Manuela liegt nun der entsprechende Roman wieder vor, über den Christa Winsloe schrieb: »Was ich zu schildern versuchte, sind die erotischen Verwirrungen der Pubertätszeit, die kindlich reine Leidenschaft eines starken Gefühls, das im Zusammenprall mit einer feindlichen Umgebung zu Vernichtung und Untergang führt.«

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Roman 296 Seiten, broschiert,  16,90 ISBN: 978-3-930041-85-5 Kategorien: ,

Product Description

Wo ein Tag dem anderen gleich bleibt, fließen die Tage ineinander. Deshalb haben die Mädchen Kalender an den Innenseiten der Schranktüren, wo jeder verflossene Tag mit schwarzem Stift ausgestrichen wird. Wieder einer vorbei, und man zählt, wie viele noch bis zu den Sommerferien, bis Weihnachten, bis »nach Hause« übrig bleiben. Manuela hat keinen Kalender. Sie hat kein »zu Hause« mehr. Ihr Vater ist auf einer Italienreise. Bunte Postkarten mit blauem Meer, Sonne, Orangen, Eseln und alten Kirchen decken langsam die Innenwände an Lelas Schrank. Fräulein von Bernburg hat die ersten dieser Karten betrachtet, als sie Manuelas Schrank kontrollierte. Dann hatte sie sich zu Manuela gewandt. »Und deine Mutter?« Da hatte Manuela stumm eine Photographie hervorgenommen und in Fräulein von Bernburgs Hände gelegt.
»Mutter ist tot. Ich habe keine Mutter. Sonst wäre ich doch nicht hier …« Das klang bitter. Fräulein von Bernburg hatte das Bild lange angesehen und es ihr dann zurückgereicht. Eine Hand auf Manuelas Schulter, hatte sie ihr ernst in die Augen gesehen.
»Du hast dich aber doch schon gut eingelebt bei uns, Manuela. Du hast Freundinnen gefunden?«
»Ja, Fräulein von Bernburg – bloß –«
»Nun? Du weißt doch, daß du zu mir Vertrauen haben kannst.«
»Ja – Fräulein von Bernburg – aber wenn –« und jetzt endlich löste es sich stoßweise – »Wenn Sie nicht hier wären, dann wäre es gar nicht auszuhalten …«
Fräulein von Bernburg verändert ihr Gesicht nicht, sondern sieht Lela weiter forschend an und sagt langsam und eindringlich: »Das darfst du dir nicht einreden. Alles, was hier geschieht, ist gut und richtig. Wenn du auch nicht weißt, warum manches so und nicht anders ist. Das wirst du erst mit der Zeit verstehen. Wenn du dich trotzig versperrst, wirst du dich hier nie einleben. Du mußt die Überzeugung haben, daß wir alle dein Bestes wollen und tun. Dann wird dir alles leicht.«
»Ja, Fräulein von Bernburg.«
Elisabeth von Bernburgs Hand gleitet von Manuelas Schulter an ihrem Arm herab. Sie hält das Kind fest, als wollte sie es wachrütteln.
»Willst du’s versuchen?«
Und Lela blickt auf zu dem gegen sie hingeneigten Gesicht, zu den dunklen Augen, die ergreifend in ihr Innerstes sehen. Da bricht in ihr ein Widerstand, und wie einen Schwur, so feierlich, sagt sie in diese gütigen Augen hinein: »Ja, Fräulein von Bernburg.«
Seither war alles anders. Alles hatte Sinn. Alles war ein Dienst an ihr, Fräulein von Bernburg. Alles und jedes hatte Beziehung zu ihr, und der Tag lief nicht mehr nach der Glocke, sondern nach ihrem Ruf. Ihre Stimme war nicht immer gut, sie war oft hart und befehlend. Aber Manuela wußte, daß es richtig war, was befohlen wurde: Aufstehen, Anziehen, Beten, Lernen, Ausgehen, Warten, Essen, Schlafen. Fräulein von Bernburg war da, und man tat alles für sie …