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Traude Bührmann

Faltenweise

 10,00

»Wenn du Glück hast, kannst du dich mit 90 noch verlieben …«
Trotz fliegender Hitze erforschen sie die Vulkanlandschaft Hawaiis, erkunden Kleopatras Ägypten und streifen in Cowboystiefeln durch den Grand Canyon. Sie lernen im Rentenalter Klavierspielen, besuchen Philosophievorlesungen und unterweisen Lesben im Paartantra und Clowntheater. Sie wollen auch künftig das weite Feld der Sexualität erforschen und gedenken durchaus, sich mit 90 noch zu verlieben. Sie nehmen sich Zeit und tun, was sie wollen. Heiter und gelassen. »Falten? Große Trauertage hab ich deswegen nicht eingelegt.«

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Sachbuch 248 Seiten, gebunden,  10,00 ISBN: 978-3-930041-22-0 E-BOOK Kategorien: ,

Product Description

Leseprobe aus Faltenweise:

Heiter und weise sei denn das Alter. Dieses Wort von Hölderlin begleitet Elisabeth Heitkamp seit langem, und sie bemüht sich, danach zu leben. Weise findet sie sich beileibe noch nicht, möchte es aber gern sein. Und vor allem heiter. »Ich will nicht so eine bitterböse Alte werden. Wir wissen ja alle, dass sich die Eigenschaften im Alter verdichten. Wenn man also sparsam ist, wird man im Alter geizig. Wenn man schon immer ein bisschen großzügig war, wird man leichtsinnig.« Und die Verdichtung von leichtsinnig? Lebe gefährlich! Alles andere war Elisabeth Heitkamp schon immer zu langweilig. Auch heute noch riskiert sie Dinge, die sich andere in dem Alter nicht mehr trauen. In ihrem einundachtzigsten Jahr fuhr sie zweimal nach Ägypten, machte eine Kreuzfahrt auf dem Nil, strapaziöse Busreisen zu den Pyramiden und ans Rote Meer.
Vierzehn Tage blauer Himmel, so wie heute. Sie hat darauf bestanden, die junge Freundin vom Bahnhof abzuholen; das ist einfacher, als ihr den Weg mit Straßenbahn und Bus zu erklären, in ihr Dorf, das heute nahe der Stadtgrenze liegt.
»Mein Auto steht ein paar Straßen weiter«, begrüßt sie die vierzigjährige Freundin. „Kannst du soweit laufen?" Eine günstige Parkmöglichkeit, die sie vor kurzem entdeckt hat. Kostet nichts. Sie zögert, dämpft ihre Stimme, mag es nicht laut sagen: unter den Fenstern eines Puffs.
Mit der Fernbedienung öffnet sie das Garagentor, fährt die abschüssige Einfahrt zur Garage im Souterrain hinunter, öffnet ihrem Besuch die Haustür von innen, weist auf die blauen Krokusse, die Schneeglöckchen im Vorgarten hin, den gelben Stauch an der Hauswand: »Japanischer Jasmin, er blüht von November bis März.
Die sechzigjährige Nachbarin grüßt.
»Auch so eine!« sagt Elisabeth Heitkamp beim Hineingehen. »Meinte die doch neulich: Du musst doch wohl weit über siebzig sein.«
»Ja, einundachtzig.«
»Na, und dann gibst du noch nicht deinen Führerschein ab?«
»Nein. Erst nach dir, sag ich. Die wird mich wohl in Zukunft in Ruhe lassen.«