Mein Bild von ihm

Lesbische Frauen erzählen von ihren Vätern

Bezeichnen sich Frauen als Vatertöchter, tun sie das mit Stolz in der Stimme. Der Vatertochter kriecht nicht der Spott nach und das allgemeine faule Grinsen wie dem Muttersohn. Ist die Tochter dem Vater wichtig, dann bekommt sie Bedeutung durch ihn. Scheint sie ihm nicht wichtig zu sein, nicht so wichtig wie seine andere Tochter oder sein Sohn, verliert für sie der Vater dennoch nicht an Bedeutung. Die Frau, die Mutter, ist der erste Mensch im Leben jedes Menschen, mit ihr verbindet sich deshalb eine spezifische Abhängigkeit, mit ihr beginnt das eigene Leben. Und auf einmal ist da der Vater. Er gehört dazu. Anders als die Mutter.
Er scheint zwei Leben zu führen, eines mit und eines ohne die Familie. Er hat Hobbys. Er zieht sich zurück. Er ist empfindlich. Er muss geschont werden und Geld verdienen. Er kann gar nicht oder nicht jeden Tag kochen. Aber wenn er kocht, ist es etwas ganz Besonderes. Er ist der Mutter wichtig, ob in Liebe oder in Hass. Er scheint mehr als die Mutter zu wissen. Seine Stimme ist lauter, sein Körper ist anders, und er könnte der Bundeskanzler sein oder der Papst, denn er ist ein Mann.
Die sieben Geschichten in diesem Buch repräsentieren in ihrer Individualität vieles, was sich allgemein in Tochter-Vater-Paaren wiederfinden lässt, und sie zeigen dadurch ganz nebenbei, dass Homosexualität kein menschlicher Entwicklungsunfall ist, sondern einfach zur Familie gehört. Die Frauen, die hier über ihre Väter sprechen und die Geschichte ihrer Familien erzählen, sind Frauen, die es heute vorziehen, mit einer Frau zusammenzuleben. Das könnte etwas über ihre Beziehung zu ihrem Vater aussagen. Nur - was?

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