Wir werden immer schöner

Lesben und Schönheit

Ganz gleich jedoch, ob männliches oder weibliches Outfit: Sie findet es
ziemlich langweilig, von oben bis unten durchgestylt zu sein. Wenigstens
die Unterwäsche muss dann einen Kontrast darstellen: Boxer-Shorts zum
Kostümchen etwa – bloß nicht zu perfekt feminin sein. Und natürlich gibt
es Tage, an denen sie gar nicht in der Stimmung ist, sich zu stylen, und
einfach irgendetwas anzieht.
Ihre Lust am Spielen mit Kleidern, Stimmungen, Rollen wirkt überhaupt
nicht aufgesetzt, sondern ganz und gar echt. Es scheint ihr einen
Heidenspaß zu machen, sich selbst und andere auszuprobieren und damit
ständig neue Seiten – an sich, an anderen – zu entdecken: im Alltag, im
Bett, zu Hause, bei der Arbeit. Das bezieht sich nicht nur auf Mode,
aber Kleider sind nun mal ein ganz wesentliches Element des Spiels, und
zwar nicht nur, was die Wirkung auf andere angeht, sondern vor allem
auch, weil Kleider das Gefühl von sich und für sich selbst beeinflussen.
Beispiel Busen, oder wie sie sagt: Titten. Sie hat einen kleinen Busen
und trägt keinen BH, weil sie den nicht funktional findet und folglich
auch nicht sexy. Aber früher hat sie  manchmal mit »Tittengrößen«
experimentiert, sich den Busen ausgestopft und geguckt, was passiert.
Die Reaktionen der Umwelt waren faszinierend: »Die Kellner konnten mich
nicht mehr normal bedienen, die haben nicht mehr mit mir reden können,
die haben nur noch Titten gesehen. Frauen haben teilweise genauso
reagiert, vor allem natürlich Lesben.« Ihre eigene Körpererfahrung war
genauso spannend wie die Reaktion der andern: Was macht es mit mir, wenn
ich plötzlich einen Riesenbusen habe? Wie bewege ich mich dann, wie
setze ich mich in Szene? Fühle ich mich wohler? Sexier? …

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