Eine Sommerliebe in Paris

Isabelle redet die ganze Zeit, viel zuviel, von ihrem Schreiben, ihrer Arbeit als Psychologin, der Promotiontour für ihr Buch, ein bisschen von Gewalt, sehr wenig von Leidenschaft, überhaupt nicht vom Begehren, das ihr in diesem Moment als das einzig interessante Thema erscheint. Sie erfährt nichts über Ev, die Frage um Frage stellt, ohne ihr den geringsten Einfluss auf den Gesprächsverlauf zu lassen. Wie eine professionelle Journalistin. Sie ist unergründlich, sinniert Isabelle, als ihr ohne jede Vorwarnung die Frage entgegenschlägt: »Und was denken Sie über die homosexuelle Liebe?« Ein kurzes Zögern, nur lang genug, um wieder zu Atem zu kommen, dann hört Isabelle sich erwidern: »Nichts Besonderes, aber es wäre mir eine Freude, Sie dazu zu bekehren!«
In Evs Gesicht liest sie Überraschung, dann Belustigung, bevor sie das Lachen vernimmt, in das Ev ausbricht, während sie den Kopf abwendet. Sie ist leicht rot geworden und richtet den Blick langsam wieder auf Isabelle. Ev lässt ihre Augen über sie wandern, ungeniert, mit einer Selbstsicherheit, die Isabelle schweigend einsteckt.
Ev lächelt. »Bleiben Sie länger in Paris?«

zurück